Wie lange noch?

Krise? Hat hier jemand eine Krise gesehen? Noch immer scheint die Krise weit weg von der Masse der Bevölkerung. Für sie hat sich in den letzten 12 Monaten kaum etwas verändert. Alles was sich mit den Banken abspielt, ist für 99% der Menschen vollkommen abstrakt. Am ehesten dürfte es noch durch die Berichterstattung in den Medien wahrgenommen werden, aber die Konsumneigung lässt noch nichts von Angst spüren. Mit dazu beitragen dürfte auch das Verhalten der Wirtschaft, zunächst auf Kurzarbeit statt auf Entlassungen zu setzen. Aber was passiert, wenn dieses Instrument ausgeschöpft ist? Dann wird es zu Entlassungen kommen und zwar nicht zu knapp. Von einer mittel- oder langfristigen Perspektive gar nicht zu reden.

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Daher stellt sich die Frage: Wie lange werden die Bürger die Krise noch ignorieren und verdrängen können? Und daran schließt sich gleich die nächste Frage an: Wie werden sie dann reagieren?

Bis jetzt sind alle Maßnahmen der Regierung einfach so hingenommen worden. Sozialisierung der Risiken bei gleichzeitiger Bonusauszahlung der Banken, kein Problem. Hypo Real Estate verstaatlichen, nur her damit. Konjunkturprogramm auf pump, Abwrackprämie wir kommen!

In Island sah die Sache etwas anders aus, da hat die demonstrierende Bevölkerung die Regierung gestürzt. Man muss zugeben, dort sieht es auch wirklich schlimm aus, aber ein Blick nach Irland oder England verspricht nichts besseres. Ich sage daher: Vergesst alle Umfragen, welche die FDP bei 18% sehen und einen Sieg des bürgerlichen Lagers vorhersagen! Einerseits hat der Wahlkampf noch nichtmal begonnen und andererseits wird die Lage in 6 Monaten auch bei uns ganz anders aussehen.

Wer zahlt wenn’s brennt?

Was tun wenn’s brennt? Keine Ahnung was so die Top Beamten und Berater des Bundes verdienen, aber Obama hat erstmal alle Gehälter über 100.000 Dollar eingefroren. Warum fordert das eigentlich niemand in der SPD? Obama macht vor wie man ein Land in einer Krise führen muss. Seinen Anschiss an die Banker, die trotz Staatshilfe Boni kassieren, hatte ich ja bereits erwähnt. In diesem Zusammenhang stellt sich für mich als Sozialdemokraten noch eine ganz andere Frage: Warum müssen eigentlich jetzt die die Suppe auslöffeln, die absolut nichts mit dem ganzen Schlamassel zu tun hatten? Thorsten Schäfer-Gümbel hatte vor Weihnachten eine Zwangsanleihe für Reiche ins Spiel gebracht. Diese sollten dem Staat zwei Prozent Ihres Vermögens zwangsweise leihen (bei 2,5% Verzinsung). Ich gebe zu, ich habe die Idee auch für totalen Quatsch gehalten und nicht ernst genommen. Aber je länger ich darüber nachdenke umso logischer erscheint mir dieser Schritt.

In der letzten, übrigens äußerst sehenswerten, Folge von „Neues aus der Anstalt“ wurde die Vermögensveränderung der unterschiedlichen Vermögensschichten von 2002-2007 vorgestellt, die die zehn reichsten Prozent der Gesellschaft als klare Gewinner des Aufschwungs auswies. Kein Wunder möchte man sagen, die wenigsten Harz Vier Empfänger dürften am Zertifikatemarkt aktiv gewesen sein. Schaut man sich die Lorenz-Kurve der Vermögen (nicht Einkommen) an, die die Vermögensverteilung in unserem Land darstellt, wird dies alles noch deutlicher.

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Die grüne Linie würde eine vollkommene Gleichverteilung der Vermögen anzeigen, die rote Linie zeigt die Realität in Deutschland 2007 an. Der erste rote Punkt zeigt nichts anderes an, als dass 2/3 der Haushalte über lediglich 10% der Vermögen unseres Landes besitzen, während die 10% reichsten Haushalte über 2/3 aller Vermögen verfügen. Die Zahlen stammen vom DIW.

Wenn der wirtschaftlichen Elite unseres Landes eh nichts besseres einfällt als Milliarden mit VW Aktien zu verzocken (und sich dann auch noch feige vor den Zug zu werfen) oder wie dieses Arschloch Zumwinkel seine Millionen nach Liechtenstein zu schaffen, dann sollten sie nun endlich zur Verantwortung und Sicherung des sozialen Friedens und unser aller Wohlstands herangezogen werden.

Wir leben nach wie vor in einem der reichsten Länder dieser Erde und das Gesamtvermögen wird nicht kleiner, wir müssen aber dafür sorgen, dass alle Menschen davon profitieren können. Man möge mich hier nicht falsch verstehen, es geht mir nicht darum das Schreckgespenst des Kommunismus herbeizubeschwören, im Gegenteil. Die Basis unseres Wohlstandes ist und bleibt die Wirtschaft, allerdings haben wir uns in den letzten Jahrzehnten von unserem Erfolgsmodell des Rheinischen Kapitalismus mit sozialer Marktwirtschaft abgewendet und uns von den Flausen der Angelsachsen beeindrucken lassen, aber genau hier gilt es anzusetzen.

Der Kapitalmarkt mit seinen Akteuren muss für unsere Unternehmen da sein, nicht umgekehrt! Wer glaubt man könne ohne harte Arbeit Milliarden verdienen der irrt. Wir müssen unser Land wieder auf den richtigen Kurs bringen!

Was tun wenn’s brennt

Vor einigen Monaten hab ich mich das echt gefragt, was machst du jetzt wenn alles zusammenbricht. Also nicht nur das Finanzsystem sondern gleich noch ein bisschen mehr. Machen wir uns nichts vor, vielen großen Kriegen sind andere Probleme vorangegangen. So wie ich uns Deutsche einschätze, würden wir ziemlich extrem auf einen Bankrun reagieren. In Amerika herrscht eine ziemlich niedrige Sparquote, sprich wenn ich nix aufm Sparbuch habe, habe ich auch wenig zu verlieren. In Deutschland haben wir aber selbst in Boomphasen eine Sparquote von über 10%. Da hat auch der kleine Mann was zu verlieren.

Naja zum Glück ist es ja bis jetzt nicht dazu gekommen und mir scheint es, dass zumindest diese Gefahr zunächst gebannt ist. Dennoch befinden wir uns in einer der größten wirtschaftlichen Krisen aller Zeiten. Auch wenn sie in meinen Augen noch nicht bei den Menschen angekommen ist, so wird dies doch in diesem Jahr noch passieren. Genau dann, wenn wir im Herbst einen neuen Bundestag wählen.

In Hessen hat die FDP gerade, die Partei der Zahnärzte und Juristen, 16% abgeräumt. Eigentlich verrückt, sollte man doch meinen, dass eine Partei die am liebsten gar keine Regulierung der Märkte wollte und jedes noch so hohe Vorstandsgehalt verteidigte eigentlich vom Wähler abgestraft werden müsste – das Gegenteil ist eingetreten. Wie kam es dazu?

Eine Erklärung für mich ist die mangelnde Profilierung der großen Koalition. Wofür die CDU momentan steht weiß ich ehrlich gesagt nicht, aber auch die SPD versäumt es politisches Kapital aus der Situation zu schlagen. Da mag es noch so schön sein, dass mit Steinbrück ein SPD Mann einer der Hauptkrisenmanager ist, aber dem Bürger ist das ziemlich egal und viel zu abstrakt.

Ein Blick zu Obama verstärkt diesen Eindruck. In dieser Woche hat er sich hingestellt und die ganzen Bankmanager an den Pranger gestellt, weil sie immer noch Boni kassieren. Das ist nicht nur in meinen Augen eine absolut logische Forderung, aber auch eine nach außen klar kommunizierbare Position. Warum brauchen unsere Politiker so lange um solche offensichtlichen Positionen zu beziehen?